Howards Blog

Ich habe seine Geschichte mitverfolgt und zusammen mit Diana gehofft das es es ihm bald besser geht. Diana hat sehr viel Zeit und Liebe geopfert um den Kleinen zu pflegen. Und das obwohl er nicht ihr eigenes Tier war.

Dianas Blog ist Howards Vermächtnis an die vielen anderen Meerschweinchen, die aus Unwissenheit oder Gleichgültigkeit nicht artgerecht gehalten und ernährt werden.

Wenn seine Geschichte auch nur einen einzigen Halter dazu bewegt sich Gedanken zu machen wie er sein Tier hält und dann damit beginnt ihm ein besseres Leben zu bieten - dann hat Howards Leben ein Sinn gehabt.
 

Klaus

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01. Nov. 2009 Howards Ankunft

Heute ist ein Meerschweinchenbock als Gast zu uns gezogen. Er wird im Frühjahr 2010 3 Jahre alt und ist unkastriert. Da seinen Besitzern der ständige Nachwuchs und die Versorgung der insgesamt 6 erwachsenen Meerschweinchen zuviel wurde, riet ich Ihnen eindringlich, den Bock doch kastrieren zu lassen, welcher als Zuchtbock eingesetzt wurde. Er saß noch immer bei seiner Frau und 3 Jungtieren von ca. 10 Tagen. Die Möglichkeit, dass die Aue bereits wieder nachgedeckt worden war, war natürlich sehr groß.

Da man nach einer Kastration ein besonderes Augenmerk auf den Patienten haben muss und er mindestens 6 Wochen separat sitzen muss, schlug ich vor, dass ich mich darum kümmere, dass der Bock kastriert wird und er anschließend seine "Frist" bei mir verbringen darf. Am heutigen Sonntag holte ich ihn dann ab. Da er bislang noch keinen Namen hatte, entschied ich mich ihn Howard zu nennen.

Als ich Howard dann zuhause auspackte, sah ich Blutflecken unter ihm und er krümmte sich immer wieder. Bevor jetzt an eine Kastration zu denken ist, muss er erstmal untersucht werden, denn so gefällt er mir ganz und gar nicht!

02. Nov. 2009 Howard beim Tierarzt

Wegen den Blutflecken und weil er die Nahrungsaufnahme fast eingestellt hatte, stellte ich den kleinen Mann heute bei meiner Tierärztin vor.

Die Blutung kam aus dem Darm. Er schien starke Schmerzen zu haben, da er sich immer wieder krümmte und jammerte.

Ihm wurde Antibiotika verordnet, da es sich scheinbar um eine blutige Darmentzündung handelte. gegen die Schmerzen bekam er schon direkt in der Praxis ein Schmerzmittel verabreicht. Bis Freitag soll er das Antibiotika bekommen und wir hoffen, dass sich sein Zusatnd bessert.

Abends musste ich feststellen, dass er die nahrungsaufnahme gänzlich eingestellt hat und apathisch in seinem Korb hockte. Also blieb keine andere Wahl als ihn zu päppeln mit einem Brei. Da meerschweinchen einen Stopfmagen haben, muss immer Nahrung aufgenommen werden, damit sie im Darm weitertransoirtiert wird- kommt dies zum Stillstand kann es fatale Folgen haben.

Das Päppeln war für mich sehr neu und ich versuchte so gut es ging ihm den Brei mit Hilfe einer Spritze zu verabreichen. Um seine Bauchschmerzen etwas einzudämmen legte ich ihn auf ein erwärmtes Körnerkissen und wir schliefen gemeinsam auf dem Sofa ein.

Howard hatte heute keinen Kotabsatz!

Direkt nach dem TA-besuch habe ich Howard Besitzerin über den gesundheitszustand informiert. Ich erhilet am Abend eine Mail von ihr, dass sie sehr froh darüber ist, dass ich mich so um ihn kümmere.

03.Nov. 2009 Howarts 3. Tag bei uns

Noch immer ist Howard sehr schlapp und schläft sehr viel. Das Päppeln ist sehr mühsam, da ich Angst habe, dass er ersticken könnte, falls ich ihm zuviel ins Mäulchen gebe.

 

Erneut suche ich meine Tierärztin auf um ein anderes Schmerzmittel zu holen. ich selbst bin kein Freund von Novalgin und möchte es deshalb auch nicht diesem kleinen Mann verabreichen.

 

Ich habe die Besitzerin per SMS über seinen Zustand erneut informiert über seinen Zustand.

 

Heute hat dann endlich mal nach vielem drücken und pressen etwas seinen po verlassen- aber nicht das was man erwartet, sondern zwei kleine Stückchen Sperrholz. Ich war und bin entsetzt!

04. Nov. 2009 Howards 4. Tag bei uns

Heute gefiel Howard mir ganz und gar nicht. Er wirkte sehr eingefallen und müde. Nach Rücksprache mit meiner Tierärztin entschlossen wir uns ihm 30ml Ringerlösung zu spritzen, damit er nicht austrocknet.

Bisher hatte er noch immer keinen Kotabsatz, Gott sei Dank aber auch keine Blutungen mehr.

Um das allgemeine Wohlbefinden etwas zu verbessern bestellte ich bei meiner TÄ "Lactogel", was mir eine sehr liebe Freundin zum päppeln empfohlen hatte.

Ich hoffe sehr, dass es damit bergauf geht.

 

Nach Rücksprache mit Ute, die schon seit 20 Jahren mit Meerschweinchen lebt und schon sehr viele gepäppelt hat, wurde ich dann bei der Dosierung des Päppelbrei auch mutiger.

 

Das einzige was heute seinen Po verlies war ein kleines Stück Muschelschale- mir fehlen langsam die Worte dafür.

Nach seinem Wohlbefinden wurde von Seite der Besitzerin  noch immer nicht gefragt.

05.Nov. 2009 Howards 5. Tag bei uns


Howard nach dem fütternHoward nach dem füttern

Howard wirkt heute sehr sehr müde und schlapp. Glücklicherweise ist das Lactogel da und ich kann ihm dies nach Feierabend verabreichen.

Gut schmecken scheint es nicht gerade, aber er muss etwas davon zu sich nehmen.

Nach einer Stunde füttere ich ihm seinen anderen brei, den er auch gern nimmt. Anschliessend liegt er total erledigt auf seinem kleinen Sofa auf meinem Sofa. Die Atmung ist sehr sehr flach was mich beunruhigt. Gegen 22 Uhr begann er nach Luft zu schnappen wie ein Karpfen und ich brach in mehr oder weniger große Panik aus. Ich versuchte ihn zu beruhigen und schleppte ihn umher. Ich konnte ihn kaum halten, so zuckte er umher. Mein Gedanke: oh Gott er erstickt und quält sich so. Ich rief meine Tierärztin an. Leider- oder vielleicht auch zum glück- war sie nicht zuhause. Vielleicht hätten wir uns für die Euthanasie entschieden...ich weiss es nicht.

Dann nahm ich Kontakt zu Ute auf...ich beschrieb ihr völlig aufgelöst sein Verhalten. Mittlerweile hörte Howard auf mit dieser Schnappatmung, sondern atmete nur sehr schnell und flach.

Ute sagte, dass ich im Grunde genommen nichts tun kann ausser für ihn da zu sein. Es muss nicht das Ende sein, er kann auch einfach nur einen schlechten Tag heute haben. Sie riet mir, ihm noch etwas Lactogel mit Karottenbrei zu geben, damit sein Stoffwechsel nicht zusammenbricht- aber nur sofern er es annimmt. Ute fragte mich auch: "ist noch Leben in ihm?" Ja, mein Eindruck war schon, dass noch Leben in ihm ist- seine Augen glänzen und ich spürte auch Wiederstand wenn ich ihn anhob.

Wie empfohlen fütterte ich ihn dann mit besagtem Brei. bereitwillig nahm er auch knapp 12 ml auf. Nachdem ich dann sein Mäulchen abgeputzt hatte, sh er mich an und gluckste. Ich wickelte ihn in seine Decke und legte ihn in den Wäschekorb.

 

Dort liegt er jetzt und schläft. Was morgen früh ist, das weiss ich nicht. Natürlich hoffe ich sehr, dass es ihm besser geht.

 

Immer wenn ich diesen kleinen Wurm auf dem Arm habe muss ich darüber nachdenken, was ihm wohl wiederfahren ist. Gab es da wirklich so grobe Fütterungsfehler? ich kann es kaum glauben. Die Tatsache dass bis heute nicht ein Köttelchen aus ihm kam, lässt vermuten, dass er das zuletzt am 31.10.09 etwas gefressen hat. Futter benötigt ca. 5 Tage um den kompletten Darm zu durchlaufen. Gestern Abend war das erste winzige Köttelchen zu sehen- steinhart und sehr verformt. Hätte Howard an den Tagen vor dem 31.10.09 gefressen, wäre dies mittlerweile längst "rausgekommen". Ich weiss nicht, ob niemandem aufgefallen ist, dass er schon länger nichts gefressen hat, oder ob er länger nichts zu fressen bekommen hat.

 

Der Gedanke, dass er begonnen hat Holz zu fressen vor Hunger bricht mir das Herz. Das Stück Muschelschale lässt darauf schließen, dass er möglichweise Hühnerfutter bekommen hat- ich weiss es nicht und es macht mich sehr wütend.

 

Von seiner Besitzerin habe ich seit Montag noch nichts wieder gehört oder gelesen.

 

Wenn Howard Lebenswillen und die Kraft hat, dann wird er es schaffen und ich werde ihm dabei helfen. Schafft er es nicht, so schläft er wenigstens warm eingepackt neben der Heizung ein, umgeben von Menschen und Tieren, die ihn schon sehr ins Herz geschlossen haben- und nicht in einer Holzkiste in der Kälte. Ich hoffe und wünsche mir sehr, dass er es schafft. Ich weiss, ich kann nicht alle Tiere retten, aber dieses kleine Männlein hat es verdient noch ein paar schöne Jahre vor sich zu haben.

 

06.Nov. 2009 Howard geht über die Regenbogenbrücke

Zwischen 0.30h und 1 Uhr trat Howard seinen Weg über die Regenbogenbrücke an.

 

Es ist so unglaublich traurig und schade, dass er es nicht mehr geschafft hat. Ich mache mir keinerlei Vorwürfe, da ich weiss, dass ich wirklich alles getan habe was man nur tun konnte.

 

Noch nicht mal 3 Jahre ist er geworden....ich bin wütend und traurig weil ich weiss, dass Menschen dafür verantwortlich sind, dass er so krank geworden ist. Falsche oder unregelmäßige Ernährung und sehr ungeeignete Haltungsbedingungen. Abseits in einem Stall- so kann man auch nicht mitbekommen wenn es einem Tier schlecht geht- oder man bemerkt es erst zu spät.

 

Dennoch bin ich froh, dass ich ihn mitgenommen habe, denn so ist er wirklich nicht frierend und mit leerem Bäuchlein gestorben, sondern im Kreise von uns und eingekuschelt in eine Decke. Er ist ganz ruhig eingeschlafen neben mir in seinem Korb.

 

Ich werde ihn hier in meinem Garten begraben- neben Emma, die er zwar nie gekannt hat, aber die genau wie er immer in unseren Herzen bleibt.

 

Das Geld was für die Kastration mitgegeben, wurde für die tierärztliche Behandlung eingesetzt....Päppelfutter, Injektionen, Ringerlösung,Antibiotika und Schmerzmittel